Stipendienprogramm

The Artist’s Advocat

Um die Zusammenarbeit zwischen den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) und der Hochschule für Bildende Künste (HfBK) zu intensivieren, gibt es das Artist’s Advocat-Stipendium.
Ein/e Kunststudierende/r ist jeweils für ein Jahr eingeladen, sich mit den Sammlungen der SKD zu beschäftigen und so die Arbeits- und Wirkungsfelder von Forschung, Ausstellungsentwicklung und künstlerischem Schaffen näher zusammenzubringen.
Im Zentrum der künstlerischen Forschung der diesjährigen Stipendiatin Lisa Maria Baier (Meisterschülerin bei Prof. Wolfram Adalbert Scheffler) stehen Objekte aus kolonialem Kontext. Ihr Rechercheinstrument wird vornehmlich die Museumsdatenbank DAPHNE sein. 

Koloniale Güter in 

musealem Kontext

-

"Ich, als weißer Mensch, kann nur fragen." 

Das Herrnhuter Völkerkundemuseum vereint Ethnographie und Missionsgeschichte. Die Grundlage der Sammlung bilden Objekte, welche die Missionare der Herrnhuter Brüder-Unität von ihren Reisen zu verschiedenen Völkern seit 1732 mitbrachten.

Ist die Kunstgeschichte, welche mich in meinem künstlerischen Schaffen prägte und lehrte und welche durch und durch geprägt ist von weißen, christlichen Männern, die Geschichte, welche ich unbewusst immer wieder reproduziere?


Ich, als weißer Mensch, welcher rassistisch strukturelle Diskriminierungen nie erfahren hat und der eigenen Vergangenheit nicht beraubt wurde, steht es nicht zu meine weiße "Wahrheit" des Sammelns, Bewahrens und Forschens über die Geschichte derer zu stellen, denen ihre Identität als "Wahrheit"  aberkannt wurde. 


Ist meine Geschichte, welche mir zumeist weiße HistorikerInnen beibrachten die "wahre" Geschichte? 


Ist jeder weiße Versuch der Dekolonisierung nicht wieder eine Übergrifflichkeit, weil sie unter weißen Regeln und Kontrollen stattfindet und somit wieder nur eine weiße "Wahrheit" reproduziert?


Die einzige Möglichkeit der Auseinandersetzung, welche selbst immer eine weiße Perspektive sein wird, sehe ich darin zu fragen. Denn ich sehe mich nicht im Recht Imperative zu bilden, welche nur wieder den Teufelskreis aus Bevormundung und pseudo Gutmenschlichkeit mit Auslassung der Eigenverantwortung formt. 

Wieso scheint der weiße Mensch vergessen zu haben, dass er/sie Hauptschuldige/r ist an dem Leid, welches versucht wird mit "Nächstenliebe" zu lindern?

Das ganze "Helfen" muss jedoch immer mit Logo stattfinden, damit niemand vergisst, wem man dankbar für die Hilfe sein sollte. Ein schizophrenes Unterfangen.

Wenn wir von Dialog mit den Herkunftsländern sprechen, sprechen wir dann über den Dialog mit Menschen in den Herkunftsländern, welche die Begrifflichkeiten und Forschung weißer Kunstgeschichte auf Augenhöhe mit führen und ihre eigenen Forschungen und Strukturen mit in den Diskurs bringen?


Der weiße Mensch versucht sich als BewahrerIn der Geschichte und der Kunst. Doch er/sie steht auf einen elitären Wissenssockel, welchen er/sie zur Grundlagen der Provinjenzforschung gemacht hat, welche dadurch wieder eine weiße Wissenschaft geworden ist.


Wie kann ich als weißer Mensch Strukturen für das Forschen, Sammeln und Bewahren von Kolonialgütern entwickeln ohne dabei mein eigenes privilegiertes, weißes "Wissen" in den Mittelpunkt zu stellen?


Ich, als weißer Mensch, sehe mich nicht in der Lage unabhängig und fair über Wissen und Wert und Nichtwissen und Unwert zu entscheiden. Ich sehe mich desweiteren nicht in der Lage zu reflektieren, wie es ist Identität abgesprochen , um diese durch andere, absolute "Wahrheiten" ersetzt zu bekommen. Ich, als weißer Mensch, wurde sozialisiert mit diesen weißen Wahrheiten und werde es in meinem Handeln nicht revidieren können.